Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Unterschätztes Risiko für Japanische Enzephalitis bei Reisenden
Autor*in Studienreferat
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
Originalpublikation
Buhl MR et al. Japanese encephalitis in travelers: review of cases and seasonal risk. J Travel Med 2009; 16:217-9
Fazit
Das JE-Risiko für Reisende wird möglicherweise unterschätzt, da Infektionen auch außerhalb erwarteter Risikogebiete und -zeiten sowie bei Kurzzeitreisenden auftreten. Angesichts der potenziell schweren Krankheitsverläufe und neuer, gut verträglicher Impfstoffe erscheint eine Überarbeitung der bisherigen restriktiven Impfempfehlungen sinnvoll, um tragische Erkrankungsfälle zu verhindern, so die Experten.
JE-Infektionen verlaufen meist asymptomatisch, führen jedoch in 1–20 Fällen pro 1.000 Infizierte zu einer manifesten Enzephalitis. Die Experten erläutern in vorliegendem Review aus dem Jahr 2009, dass das Erkrankungsrisiko für Reisende eine grobe Schätzung darstellt, die auf der Zahl der nach Asien ausreisenden Fluggäste basiert. Zahlen des US-Verkehrsministeriums deuten darauf hin, dass das Risiko einer JE-Infektion bei US-Reisenden weniger als 1 pro Million pro Jahr beträgt. Diese Schätzung könnte jedoch zu niedrig sein, da Kurzzeitreisende in entwickelte und städtische Gebiete wahrscheinlich den Großteil der Besucher in Asien ausmachen und nicht alle Reisenden mit JE erkannt worden sind. Trotzdem ist, nach den veröffentlichten Fallberichten bei Reisenden zu urteilen, das Risiko einer JE-Infektion für Reisende, die Asien besuchen, gering. Frühere Übersichtsarbeiten beschreiben 131 JE-Fälle bei in Südostasien stationierten US-amerikanischen Militärangehörigen zwischen 1945–1972. In den Jahren 1978–1992 wurden weitere 24 Fälle gemeldet. In 15 dieser Fälle wurden die Verläufe dokumentiert; es gab 6 Todesfälle, 5 behielten dauerhafte Behinderungen bei, nur 4 Personen erholten sich vollständig.
Das Risiko für einen einzelnen Reisenden ist je nach Art der Aktivitäten, Jahreszeit, Reisezielen und Reisedauer sehr unterschiedlich. Das Ausmaß und die Art der Aktivitäten im Freien, die Verwendung von Schutzkleidung, Moskitonetzen und Insektenschutzmitteln sowie die Unterbringung in klimatisierten oder gut abgeschirmten Zimmern sind weitere Faktoren, die die Exposition beeinflussen können.
Für Reisende in ländliche Gebiete, in denen die JE endemisch ist, lässt sich das Erkrankungsrisiko anhand der Inzidenzraten in der ansässigen Bevölkerung abschätzen. Die Experten kommen auf ein geschätztes Risiko für eine JE-Infektion während eines Zeitraums von einem Monat von 1 zu 5.000 bzw. 1 zu 20.000 pro Woche.
Der in den letzten Jahrzehnten gestiegene Tourismus in Südostasien hat das potenzielle Risiko einer JE-Exposition bei Reisenden deutlich erhöht. Zwischen 1992–2008 wurden weitere 21 Fälle veröffentlicht oder anekdotisch gemeldet; 13 Fälle verliefen tödlich oder führten zu bleibenden neurologischen Folgeschäden. In den meisten Fällen handelte es sich hierbei um „normale“ Touristen wie beispielsweise Personen, die einen kurzen Aufenthalt auf Bali verbrachten und einen 1- bzw. 2-tägigen Ausflug außerhalb ihres Strandhotels unternahmen. Erwähnenswert ist, dass kein einziger Fall aus Nepal oder Indien gemeldet wurde, obwohl es in den 1980er Jahren mehrere größere Ausbrüche gab. Zahlen zur Fallhäufigkeit sind mit großer Vorsicht zu betrachten. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Fallzahl höher liegt, da keine Meldepflicht besteht. Darüber hinaus kann die Inkubationszeit der Japanischen Enzephalitis von 5–15 Tagen dazu führen, dass Reisende während ihrer Reise erkranken, was sowohl die Möglichkeiten einer spezifischen Diagnose als auch der Meldung einschränkt. Von den 21 untersuchten Fällen stammen 13 (60 %) aus skandinavischen Ländern, was stark darauf hindeutet, dass die Meldungen aus vielen Ländern unvollständig sind.
Mehrere Fälle aus Regionen, in denen die Hauptregenzeit normalerweise zwischen Mai-September liegt, wurden außerhalb der Regenzeit erworben. Übertragungszeiträume sollten jedoch nach Meinung der Experten aus einer quantitativen und nicht aus einer qualitativen Perspektive betrachtet werden.