Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Beschleunigte Impfpläne gegen Tollwut und JE zeigen gute Immunantworten
Autor*in Studienreferat
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
Fazit
Die gleichzeitige Verabreichung von Tollwut- und JE-Impfstoffen gemäß einem beschleunigten 1-Wochen-Schema induzierte gute Immunantworten. Die beschleunigten PrEP-Impfschemata gegen beide Erkrankungen könnten somit eine sinnvolle Alternative zu den konventionellen Schemata darstellen.
Die gleichzeitige Verabreichung der Tollwut- und JE-Impfstoffe gemäß einem beschleunigten 1-Wochen-Schema induzierte kurzfristige Immunantworten, die den herkömmlichen 4-Wochen-Schemata erzielten Ergebnissen nicht unterlegen waren. Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien schlossen in vorliegende Phase-IIIb-Studie gesunde Männer und Frauen im Alter von 18 bis ≤ 65 Jahren in die Studie ein. Personen mit Kontraindikationen gegen Bestandteile des Studienimpfstoffs, mit früheren Tollwut- oder JE-Impfungen, einer erhöhten Körpertemperatur, Einnahme von Malariamedikamenten, oder geplanten Reisen während der Studiendurchführung schlossen die Forscher von einer Studienteilnahme aus. Die Wissenschaftler ordneten die Probanden 3:4:4:1 einer der folgenden 4 Impfstoffgruppen zu: (i) gleichzeitige Verabreichung von Tollwut- und JE-Impfstoffen nach einem konventionellen 4-Wochen-Schema (Gruppe „Tollwut + JE -konventionell“); (ii) gleichzeitige Verabreichung von Tollwut- und JE-Impfstoffen nach einem beschleunigten 1-Wochen-Schema (Gruppe „Tollwut + JE – beschleunigt“); (iii) Verabreichung eines Tollwutimpfstoffs allein nach dem herkömmlichen 4-Wochen-Schema (Gruppe „Tollwut – konventionell“) und (iv) Verabreichung des JE-Impfstoffs allein nach dem herkömmlichen 4-Wochen-Schema (Gruppe „JE – konventionell“). Die Forscher verwendeten 2 im Handel erhältliche Impfstoffe: Rabipur® (Novartis Vaccines and Diagnostics GmbH, Marburg, Deutschland) und IXIARO® (Valneva, Wien, Österreich). Den Tollwutimpfstoff verabreichten die Experten in 3 Dosen gemäß einem beschleunigten (Tage 1, 4 und 8) oder konventionellen (Tage 1, 8 und 29) Schema; den JE-Impfstoff in 2 Dosen gemäß einem beschleunigten (Tage 1 und 8) oder konventionellen (Tage 1 und 29) Schema. Als Placebo verwendeten die Wissenschaftler eine Kochsalzlösung (0,9 % NaCl). Die Forscher entnahmen jeweils zu Studienbeginn sowie an den Tagen 8, 15, 22, 36, 57, 91, 181 und 366 Blutproben, um serologische Analysen durchzuführen und die Konzentration der Tollwut- und JE-neutralisierenden Antikörper zu bestimmen. Die Forscher dokumentierten zudem alle unerwünschten Ereignisse (AE) und schwerwiegenden AE.
Die Wissenschaftler schlossen insgesamt 661 Probanden in die Studie ein. Alle Probanden bis auf einen erhielten mindestens eine Dosis des bzw. der Studienimpfstoffe, und 636 (96 %) von ihnen schlossen die Studie ab. Unabhängig vom Tollwut-Impfschema wiesen ≥ 97 % der Probanden bis zum Tag 57 ausreichende Konzentrationen an Tollwutvirus-neutralisierenden Antikörpern (RVNA; ≥ 0,51 U/ml) auf, wobei der Anteil der Probanden mit RVNA-Konzentrationen von ≥ 0,51 U/ml am Tag 366 zwischen 68 % in der Gruppe „Tollwut + JE – beschleunigt“ und 80 % der Probanden in der Gruppe „Tollwut – konventionell“ lag. Die Gruppe „Tollwut + JE – beschleunigt“ wies zu allen Zeitpunkten hohe Titer an neutralisierenden Antikörpern gegen JE auf. Am Tag 366 blieb der Anteil der Probanden mit JE-Antikörpertitern, die auf einen Seroprotektionsstatus hindeuten, in allen JE-Impfstoffgruppen hoch (86–94 %). Die bis zum Tag 57 erhobenen Sicherheitsdaten waren zwischen den Studiengruppen insgesamt ausgeglichen. Ab Tag 57 meldete keiner der Probanden SAEs, die als mit den Studienimpfstoffen in Zusammenhang stehend eingestuft wurden.