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Japanische Enzephalitis bei Reisenden ist selten, jedoch relevant

Ostlund MR et al., 2024 - Das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) ist ein durch Mücken übertragenes Flavivirus und eine der Hauptursachen für epidemische Enzephalitis in Südostasien. Berichte über eine symptomatische JE-Erkrankung bei Touristen sind selten. Ostlund et al. und Lehtinen et al. veröffentlichten jeweils Fallberichte eines schwedischen und eines finnischen Touristen mit symptomatischer JE-Infektion.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

Die Experten erläutern, dass weitere Informationen zur Übertragung des JEV in städtischen Regionen und Endemiegebieten erforderlich sind, um die tatsächlichen Risiken für Reisende und die Notwendigkeit einer Impfung einschätzen zu können. Die JE könnte bei Reisenden unterdiagnostiziert sein; Personen, die einen Aufenthalt von mehr als 1 Monat in endemischen ländlichen Gebieten Süd- und Ostasiens planen, sollte eine Impfung angeboten werden.
Der schwedische Patient war ein 80-jähriger Mann, der bei guter Gesundheit war. Er befand sich auf einer 3-wöchigen Reise nach Java und Bali. Nach der Rückkehr klagte der Patient über Müdigkeit, 5 Tage später erkrankte er mit Taubheitsgefühlen in beiden Armen und war beim Essen nicht mehr in der Lage, Messer und Gabel zu benutzen. Er erbrach sich und fiel mehrmals zu Boden. Bei der Aufnahme in die Klinik hatte der Patient Fieber, befand sich aber in einem insgesamt guten Allgemeinzustand, der sich jedoch bis zum nächsten Morgen verschlechterte. Die Ärzte stellten eine leichte Schwäche der Gliedmaßen sowie eine leichte Nackensteifigkeit fest. Eine Liquor-Analyse ergab eine Pleozytose, einen erhöhten Proteingehalt, sowie normale Laktat- und Glukosewerte. Der Patient wies leicht erhöhte CRP-Werte und einen signifikanten Anstieg der IgM- und IgG-Antikörpertiter gegen das JEV auf. Bei der Nachuntersuchung 2 Monate nach Ausbruch der Erkrankung hatte der Patient gewisse Schwierigkeiten beim Gehen und klagte über eine verminderte Gedächtnisleistung und geistige Leistungsfähigkeit.

Der finnische Patient war 60 Jahre alt und wurde nach seiner Rückkehr von einer 14-tägigen Reise nach Thailand ins Krankenhaus eingewiesen. Während seines Urlaubs schlief der Patient in Hotelzimmern und verwendete keine Insektenschutzmittel. Der Patient erkrankte in der 2. Woche der Reise, 2 Tage vor seiner Rückkehr nach Finnland. Er zeigte Krankheitssymptome wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Bei der Aufnahme war der Patient bei Bewusstsein und febril, ohne weitere Anzeichen oder Symptome einer Infektion des Zentralnervensystems, abgesehen von Kopfschmerzen. Der CRP-Spiegel und die Gesamtleukozytenzahl waren zunächst im Normbereich. 2 Tage später verschlechterte sich der Zustand des Patienten; er wurde schläfrig und entwickelte Fieber. Eine Lumbalpunktion ergab im Liquor eine erhöhte Leukozytenzahl, eine erhöhte Proteinkonzentration und einen Glukosewert im Normbereich. Die Ärzte diagnostizierten bei dem Patienten eine Enzephalitis, die sie vorbeugend mit Aciclovir, Ceftriaxon, Doxycyclin und Ampicillin behandelten, woraufhin sich der Zustand des Patienten stabilisierte. Die Mediziner testeten per Immunfluoreszenztest im Liquor und im Serum positiv für Anti-JEV-IgG- und -IgM-Antikörper. Während der Genesungsphase war der Patient steif und desorientiert. Bei der Entlassung nach 14 Tagen konnte er mit Unterstützung gehen, war bei klarem Verstand, litt jedoch unter einer erheblichen Gedächtnisbeeinträchtigung. Bei der Nachuntersuchung 3 Monate nach der akuten Erkrankung hatte sich der Zustand des Patienten weiter verbessert. Es lagen keine motorischen Ausfälle vor, jedoch litt er im Vergleich zum Zustand vor der Erkrankung weiterhin unter einer leichten kognitiven Beeinträchtigung. Nach einem Hirninfarkt und einer Rehabilitation hat er sich sowohl von der JE als auch vom zerebralen Infarkt bemerkenswert erholt, sodass sein neurologischer sowie kognitiver Status mit dem Zustand vor der JEV-Enzephalitis vergleichbar war.